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Fixpunkte in der Rhein-Hunsrück-Zeitung

Fixpunkt, erschienen in der RZ am 28.08.2020

Wenn Jugendliche über sich hinauswachsen

Nun sind die Sommerferien vorbei und auch die 15 Tage out-door-Ferienprogramm in Kooperation mit der Jugendpastoral des Dekanats St. Goar liegen hinter mir. Paddeln, Klettern, Radfahren. Dies waren die drei Sportarten, in denen sich die jugendlichen Teilnehmer*innen üben konnten. Da wurde von Ihnen etwas verlangt, da musste körperliche Leistung gebracht werden, um an´s Ziel zu kommen. Ohne Paddeln bleibt das Boot auf der Lahn einfachen stehen, ohne Treten rollt das Fahrrad zwar noch eine gewisse Zeit, aber dann fällt es um, ohne Konzentration und Mut wird die Klettersteigstation nicht gemeistert.

Ich erlebte, wie Jugendliche über sich hinaus wuchsen, Anforderungen schafften, denen sie am Anfang zurückhaltend und kritisch gegenüberstanden. Danach waren sie zufrieden mit sich und stolz auf sich, auf das, was Ihnen auf einmal möglich war, mit dem sie so nicht gerechnet hatten. Wie konnte dies geschehen? Da war zum einen der Ansporn aus der Gruppe „Du schaffst das.“ Da war das Zutrauen der Teamer in die Fähigkeiten des Einzelnen, in seine und ihre Potenziale. Und da war der Mut dieses Zutrauen der anderen ernst zu nehmen.

Dies kenne ich auch aus meinem Leben, dass andere mir etwas zutrauen, das ich selbst noch gar nicht sehe und nicht weiß, wie ich dies erreichen könnte. Aber dieses Zutrauen machte und macht mir Mut mich auszuprobieren, neue Fähigkeiten an mir zu erleben, auf Geschafftes mit Dankbarkeit und auch dann Stolz zu blicken.

Mit Gott ist es genauso: er traut mir etwas zu, er weiß um meine Potenziale und Möglichkeiten, auch wenn ich diese selbst manchmal nicht erkenne. Er macht mir Mut Neues zu wagen und schenkt mir die Gewissheit, dass ich nicht tiefer fallen kann als in seine Hand. So hat es einmal eine evangelische Landesbischöfin formuliert und so hat es Petrus erlebt, als er für sich völlig Neues wagte. Als ihn in diesem Wagnis der Mut verließ und der Zweifel groß wurde, da war die Hand Jesu da und zog ihn ins Boot.

Ob die Jugendlichen dahingehend denken und empfinden, weiß ich nicht. Aber die Erfahrung, dass das Zutrauen anderer neue Energie und neues, nicht gedachtes Handeln ermöglicht. Diese Erfahrung haben sie auf jeden Fall gemacht.

Hermann Schmitt, Leiter der JugendBegegnungsStätte St. Michael in Boppard


Fixpunkt, erschienen in der RZ am 03.07.2020

Jeder kann einen Wind entfachen, der antreibt

Für viele Schülerinnen und Schüler war heute der letzte Schultag vor den Sommerferien. Ein aufregendes und aufreibendes Schuljahr liegt hinter ihnen. Homescooling, Abstandsregelungen in der Schule und in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie zwischenzeitliche Kontaktsperren zu ihren Freundinnen und Freunden prägten die letzten Wochen und Monate. Viele sehnen sich nach Erholung in der Ferne, doch so richtig Urlaubsstimmung kommt nicht auf, wenn selbst in Schwimmbädern Abstandsregeln eingehalten werden müssen.

All diese Herausforderungen unserer Zeit strömen auf uns ein und wirbeln unsere Pläne durcheinander. So mussten viele Jugendfreizeiten aus Sicherheitsgründen abgesagt werden, wie der Segeltörn des Dekanats in Kooperation mit der JugendBegegnungsStätte. Uns wurde sprichwörtlich der Wind aus den Segeln genommen.

Mit dieser Situation geht jeder anders um. Während die einen resignieren, setzen die anderen die Segel neu. Zahlreiche Angebote für Jugendliche werden überall im Rhein-Hunsrück-Kreis von unterschiedlichen Trägern in den Sommerferien angeboten. Sportliche Outdoor-Aktivitäten, wie Kletten, Kanu-Fahren oder Radtouren, aber auch Tagesfreizeiten, Urlaub daheim oder ein Walderlebniswochenende schaffen Räume, damit Kinder und Jugendliche nicht auf sich allein gestellt sind, sondern trotz Corona-Einschränkungen spannende Tage verbringen, Beziehungen knüpfen und wertvolle Erfahrungen sammeln können.

All die Menschen, die sich dafür einsetzen, dass junge Menschen in den Stürmen ihres Alltags nicht alleingelassen werden, machen mir Mut. Durch sie wird auch in diesen turbulenten Zeiten der Gott erfahrbar, der uns nicht den hohen Wellen ausliefert, die unser Leben bedrohen, und der auch in den Stürmen unseres Alltags bei uns ist. Sie zeigen uns, dass jede und jeder von uns einen neuen Wind entfachen kann, der antreiben und voranbringen kann, selbst in scheinbar windstillen Zeiten.

Tobias Petry, Pastoralreferent im Dekanat St. Goar